Gehaucht klingt der Name noch französischer: „La religieuse“, die Nonne. Ein Name von dem Serge Lutens sagt, dass er „mit der Geschwindigkeit einer Laufmasche am Gaumen oder besser gesagt kurz davor, in der Kehle“ hängenbleibt. Schwarzer Habit und weiße Haube; die Erkennungszeichen einer Novizin, die sich während des Noviziats prüfen soll, bevor sie die Ordensgelübde ablegt.  Der Duft „über die Ambivalenz von Gut und Böse“ zitiert ein Dilemma in dem schon Goethe seinen Faust wähnte:

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: Die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen.“
Johann Wolfgang Goethe Faust 1, Vor dem Tor.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Die Ingredienzien (schwarzer) Weihrauch, (weißer) Jasmin und (animalisches) Zibet sollen das symbolisieren. Ein Mischung, die anstrengender klingt als sie ist. „La religieuse“ präsentiert sich zarter als gedacht und süßer als vermutet. Kein mächtiger Weihrauch, Animalisches schon gar nicht, sondern ein fein abgestimmtes Blütenbouquet mit einer Spur von dunklem Abgrund. Oder mit den Worten von Serge Lutens: „So schickte ich schließlich die Jungfrau auf die Straße. So sehr ich mir auch wünsche, dies für Sie in einen religiösen Zusammenhang zu stellen, habe ich doch den Schuljungen in mir sagen lassen, was ich damals auf der beschlagenen Scheibe hatte sehen können: „Schnee“. Serge Lutens ist oft kryptisch, „La religieuse“ ist es nicht.

Serge Lutens • La religieuse • Eau de Parfum • 50 ml
Gibt es seit 2015.
Parfumeur: Christopher Sheldrake
www.sergelutens.com

Duftnoten

  • Jasmin
  • Zibet, Moschus, Weihrauch, Zedernholz