Serge Lutens & Les Salons du Palais Royal | Manufakturportrait

Es gibt immer wieder Partner, deren Gesamtes einfach mehr ist als die Summe aller Teilchen; man denke nur an Christoph Kolumbus und Isabella von Kastilien – erst gemeinsam waren sie in der Lage die Grundlage für das spanische Weltreich zu schaffen. Ganz ähnlich verhält sich die kongeniale Zusammenarbeit von Serge Lutens und Christopher Sheldrake. Lutens, der avantgardistische Visonär und mystische Zauberer und Sheldrake, einer der besten Parfumeure unserer Zeit, der Lutens’ magische Duftkonzepte in einzigartige Parfumkreationen umsetzt. Mit Ihrer gemeinsamen Vorliebe für Naturessenzen haben sie für den japanischen Kosmetikriesen Shiseido ein Duft-Œvre geschaffen, das seinesgleichen sucht.

1942 im nordfranzösischen Lille geboren, träumte Serge Lutens schon sehr früh davon, ästhetische Konzepte in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen. 1962 geht er nach Paris und arbeitet zunächst als Fotograf. Die zarten Gesichter seiner Mädchen aus dem Norden Frankreichs, stoßen recht bald auf das rege Interesse der Moderedaktionen. sergelutens.jpgBereits nach kurzer Zeit fotografiert er für die Vogue, Jardins des Modes und Harpers’ Bazar. 1968 wird Serge Lutens von Dior engagiert und übernimmt die Entwicklung und Präsentation der Make-up-Produkte. Insgesamt 12 Jahre – bis 1980 – dauert die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Dior. Das Jahr 1980 markiert einen Wendepunkt: Serge Lutens wechselt als Kreativdirektor zu Shiseido und übernimmt die gesamte Image-Betreuung für Düfte und Kosmetik. Und er reist nach Marokko und entdeckt Marrakesch; „seine“ Stadt in der er bis heute lebt und über die er sagt: „Marrakesch ist eine Bibliothek der Düfte.“slnstitutionalvisual.jpg

Shiseido bietet Lutens den kreativen und finanziellen Freiraum, die er für die Umsetzung seiner visionären Projekte benötigt. Und er trifft auf Christopher Sheldrake, Parfumeur bei Quest International. Der ebenso berühmte, wie berüchtigte Parfumkritiker Luca Turin beschreibt das kreative Potential von Lutens und Sheldrake folgendermaßen: „Die beiden haben einen neuen Stil geschaffen. Begreift man Parfums als Musik, sind sie melodisch (der Koloratursopran von Diorissima), harmonisch (der Engelschor von Beyond Paradise), oder sie liegen dazwischen (die meisten anderen). Lutens-Sheldrake jedoch erkunden Klangfarben. Öffnet man das Flacon, ist einem, als blase man in ein fremdartiges Instrument: heraus kommt ein lauter, gleichförmiger Klang. Die Anhänger der Saint-Saëns-Schule der Parfumerie halten diese Düfte für unvollendet und nennen sie verächtlich Basen, Duftbausteine. Aber sie verkennen die zugrunde liegende Idee. Basen müssen gemischt werden, Lutens will jede Idee (oder Substanz) bis zu dem Punkt treiben, an dem sie keine Begleitung mehr nötig hat, sondern ihre Seele von ganz allein offenbart. “Eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit nimmt ihren Anfang. 1990 entsteht mit „Nombre Noir“, der erste gemeinsame Duft für Shiseido. Es folgt 1992 „Féminité du Bois“. Zu einer Zeit in der Thierry Muglers „Angel“ stilbildend auf den Markt kam, war „Feminitè du Bois“ ein für Frauen ungewöhnlich holzig-würziger, fast maskuliner Duft; allein der ungewöhnliche Name war exotische Poesie.

Ebenfalls 1992 werden in Paris unter der Leitung von Serge Lutens „Les Salons du Palais Royal Shiseido“ eröffnet.lessalonsdupalaisroyalshiseido.jpg Die erste Boutique der Düfte und bis heute ein ebenso einzigartiger wie magischer Ort: „Ich wollte für meine Parfums mitten in Paris einen passenden Rahmen schaffen.“ Flacons, Verpackung, Dekoration, Beleuchtung, Kleidung des Personals – jedes noch so kleine Detail trägt die Handschrift von Serge Lutens: „Meine Parfums sind weder traditionell noch revolutionär. Sie sind Ausdruck meiner Persönlichkeit. Sie entstanden auf meiner langen Wanderung durch den Kosmos der Düfte und sind schwer zu beschreiben. Denn einzig durch die Komposition neuer Parfums vermochte ich auszudrücken, was mich auf dieser Wanderung bewegte. Doch genau um diesen Ausdruck geht es. Er zeugt von meinem Geschmack und von meiner Auflehnung gegen eine Welt, in der das ,Riechen’ an sich nicht mehr notwendig zu sein scheint. Diese Parfums wollten von mir entworfen werden, damit ich sie Ihnen zu Füßen lege.“ Serge Lutens ist ein Zeitreisender: Mit seinen ungewöhnlichen Kreationen ruft er jenseits des kommerziellen Mainstreams alte Mythen wach, setzt aber gleichzeitig immer wieder Trends. Beispielsweise war er einer der ersten der mit Holznoten und Weihrauch arbeitete. Auch Honignoten wie in „Miel de Bois“ hat vor ihm keiner so prominent verwendet. Viele Lutens-Düfte polarisieren: Man mag sie oder man hasst sie. Ungewöhnlich sind sie allemal und einige sprengen nach wie vor herkömmliche Duftgewohnheiten. Man denke nur an den üppig-animalischen Muscs Koublai Khän oder den puristisch-holzigen „Chene“. sl_fumerie_turque_june_2003.gif

Mindestens zwei neue Lutens/Sheldrake-Kreationen entstehen pro Jahr. Jeweils ein Duft exclusiv für das Pariser Palais Royal; den anderen für das 2000 gegründete Label „Parfums Serge Lutens“. Bedauerlicherweise sind die faszinierendsten Kreationen nach wie vor dem Palais Royal vorbehalten. Seit ein paar Jahren wird immerhin jedes Jahr einer der Palais Royal-Düfte als limited Edition für die sog. „export range“ ausgewählt und ist für eine begrenzte Zeit unter dem „normalen“ Label „Parfums Serge Lutens“ erhältlich. Zu erkennen jeweils am schwarzen Label auf hellem Karton. Andere Düfte wie z.B. Ambre Sultan gibt es sowohl als Palais Royal-Duft, aber auch unter dem „normalen“ Label. Wobei ich ehrlich zugeben muss: Es ist vermutlich die Rarität die reizt, denn auch die „normalen“ Serge Lutens-Düfte sind alles andere als normal und Mainstream. Und was die Palais Royal-Düfte betrifft, so ist Paris natürlich immer einen Reise wert und außerdem gibt es ja Gott sei Dank auch eine (mailorder) Adresse im Internet.

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