Escentric Molecules: Molecule 01 | 2006 | Duftbeschreibung | Der Stoff aus dem die Träume sind

moleculeoneWas soll man erwarten von einem Kind, das schon mit 13 Jahren mehr als 100 Düfte unterscheiden kann? Bei dieser Vorgeschichte wundert man sich nicht, dass für den gebürtigen Kasseler Geza Schön ein „normaler“ Beruf nicht in Frage kam. Molecule 01 von Escentric Molecules ist nicht nur seine erfolgrichste Kreation, sondern auch eines der erfolgreichsten Parfums in der sog. Nische überhaupt.

Wo andere hunderte, exotischer Duftstoffe mischen, bleibt Geza Schön puristisch: Molecule 01 von Escentric Molecules enthält lediglich einen einzigen Duftstoff, denn jedoch äußerst hochkonzentriert. Iso E Super heißt die Essenz, die in der Wirkung selbst einen Grenoille überzeugt hätte. Die abenteuerlichsten Geschichten kursieren über diesen Duft. Tenor: Molecule 01 hält, was Pheromone versprechen. Des Kaisers neue Kleider … nur eben umgekehrt?

Molecule 01

Olfaktorischer Stoplperstein
Iso E Super ist der Stoff aus dem die Träume sind. Normalerweise als Fixativ verwendet, ist Iso E super in kleiner Dosis in vielen Düften enthalten. Fixative halten den Duft auf der Haut; allzu schnelles Verfliegen wird so verhindert. Deshalb ist Iso E Super eine Duftnote, die einem irgendwie bekannt vorkommt, nur eben nicht dieser gigantischen Dosierung. Molecule 01 besteht zu 100 % aus Iso E Super und das zudem in einer sehr starken Konzentration. Deshalb wirkt Molecule 01 wie eine Art olfaktorischer Stolperstein.

Und wonach duftet Iso E Super? Für seinen Träger – abgesehen von einer leichten Alkoholnote, im Wesentlichen nach nichts. Der Duft scheint nicht vorhanden, ist nicht wahrnehmbar. Manchmal meint man eine zarte, trocken-holzige Sandelholznote wahrzunehmen, die kurz bleibt und dann aber auch schnell wieder verschwindet. Und das mehrfach – eine Art flashback, der kommt und geht.

Fazit
Molecule 01 ist einer jener Düfte, der sich scheinbar im kontemplativ-stillen „less is more“-Duftfeld bewegt. Aber eben nur scheinbar. Denn Molecule 01 riecht man nicht, weil er so intensiv ist. Das hochkonzentrierte Iso E Super belegt sofort die Riechrezeptoren. Mitmenschen jedoch fühlen sich geradezu unwiderstehlich angezogen und es gibt definitiv keinen Duft, auf den man öfter angesprochen wird.

Duftnoten

  • Iso E Super

Serge Lutens: Laine de verre | 2014 | der Isolator

Mit einem Schmelzpunkt von 700 ° C,  wärmt sie und isoliert, sie kratzt und irritiert. Laine de Verre, Glaswolle, hat Serge Lutens seinen neuen Duft genannt und damit L’Eau Serge Lutens und L’Eau Froide zum Trio komplettiert. Als „Zusammentreffen zweier Gegensätze, welche sich dennoch ergänzen“ bringt Lutens das Konzept von Laine de Verre auf den Punkt, denn Glas sei transparent und zerbrechlich wie die Wahrheit, während Wolle einerseits gestrickt Maschen entstehen lässt, die hinunter zu einem schützenden Hemd verlaufen, andererseits eben auch manchmal kratzt.

Laine de verre von Serge Lutens • Eau de Parfum • ab März 2014 • in 50 ml & 50 ml

Deswegen sei Laine de verre, so verrät Lutens weiter, “auch ein Isolator” und erklärt ebenso poetisch wie kryptisch: „Isolierung von etwas, das sich anfühlt wie Gefahr. Ohne es erklären zu können, fühle ich es. Steigernd, wie das Aufkommen eines persönlichen Disputs zwischen meiner Weiblichkeit und Männlichkeit. Aus den Angeln gehoben, wird die Tür geöffnet, zum erstickten Schrei eines Wahnsinnigen oder zur rabiaten Übung eines Arztes:
 Ein Eau, das böse ist, und stürmisch.“

Der Duft
Wenn L’Eau Serge Lutens der sanfte Regen und L’Eau froide die eisige Schwester, ist Laine de verre der abgeklärte dritte (Bruder) im Bunde. Mit seiner klaren Reinheit aus spitzen, kühlen Zitrusnoten und einer kräftigen Portion minziger Aldehyde ähnelt Laine de verre mehr denn je frischem Wasser. Dazu kommt ein Hauch von Seife sowie der Duft (hand) gewaschener Wolle mit einer Prise latent maskuliner (Moschus) Animalität im Unterton. Wie alle Düfte der  Serie, verhält sich auch Laine de Verre mit einem linearen Verlauf wie der berühmte Hauch von Nichts, der mit langanhaltender Frische auf der Haut schwebt.

Fazit
Wie seine Vorgänger offenbart Laine de Verre, vom wirklich originellen Namen einmal abgesehen, nichts weltbewegend Neues. Aber er fügt der Serie eine neue Facette hinzu. Laine de verre findet seinen Platz in der Mitte des Trios, ist eine Art  Zwischenglied. Weder maskulin noch feminin, hält er die Balance und driftet weder in die eine noch in die andere Richtung: “Hier herrscht keine Rivalität, aber wenn das aber wenn dieses Eau das Ergebnis eines Konflikts darstellt, dann ist es dennoch nicht weniger rein. Die Uneinigkeit zwischen Femininität und Maskulinität kommt nicht gleich einem Bruch gleich. Wenn beide den Höhepunkt ihres Konflikts erreichen, zerplatzen, und – als eine Notwendigkeit des Ganzen – schließlich in Einigkeit münden. So wurden schlussendlich die Waffen niedergelegt, indem sich der Seigneur de verre zu den Füßen der Dame de Laine legte und die an ihm bereiften Blumen und Farne übergab.“ *

Schlussendlich liegt jedoch die wahre Rarität von Laine de verre vor allem im der Kombination aus perfekter Frische bei einem extrem langanhaltenden Duftverlauf.

Duftnoten

  • Zitrusnoten, Aldehyde, Moschus, Cashmeran

* Serge Lutens, Januar 2014

Pitti Immagine Fragranze 2013 | Ein Standpunkt & ein Outing

Die Pitti Immagine Fragranze in Florenz ist – neben der Esxence in Mailand – eine von zwei internationalen Messen für selektive Parfums und damit einer der Höhepunkte des Jahres für Duftfanatics und solche, die es werden wollen. Mehr als 3.000 Besucher waren es in diesem Jahr und damit gab es einen Zuwachs von insgesamt 10% gegenüber 2012. Insgesamt 1.680 internationale Einkäuferinnen und Einkäufer hatten sich für die drei Messetage registrieren lassen, etliche aus der ehemaligen Sowjetunion und dem arabischen Raum, aber auch zunehmend viele aus Deutschland. Und ich war eine davon. Was vermutlich nur wenige wissen: Seit vier Jahren bin ich als Inhaberin vom Duftcontor Teil des Businesses und nicht mehr nur Beobachterin.

Pitti Immagine Fragranze vom 13. bis 15. September 2013 in Florenz

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Mit dem Wechsel der Perspektive verschiebt sich auch der Focus. Es nicht mehr nur um die Qualität eines einzelnen Duftes, sondern um die der gesamten Range. Es geht um Budgets, Platz und die sinnvolle Ergänzung des Bestandes. Und angesichts von Frachtkosten, Mindestabnahmemengen, EU-Normen und Zollformalitäten verliert manchmal selbst die interessanteste Entdeckung schnell an Attraktivität. Sich detailverliebt einem intellektuell gut durchdachten Konzept hinzugeben oder stundenlang kunstvolle, aber  auch etwas “anstrengende” Pirouetten eines Duftes auf der Haut zu bewundern, mutieren zu einem Luxus, dem vor allem eine Überlegung in die Quere kommt: Werden meine Kunden mögen, was ich mag? Insofern ist die Entscheidung für die eine bzw. gegen die andere Marke bei weitem mehr als nur die Frage des persönlichen Geschmackes, sondern erfordert Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Geld.

Dabei könnte alles so einfach sein. Fragt man nämlich die Kunden, wünschen sie sich Folgendes:

  • einen individuellen Duft, den „nicht jeder hat“
  • einen langanhaltenden Duft
  • eine möglichst kleine Flakongröße
  • einen möglichst hohen Anteil an natürlichen Essenzen
  • einen luxuriösen, edlen Flakon
  • einen Duft für max. 100 Euro

Leider  kollidieren Kundenwunsch und Realität gerade im selektiven Luxusbereich allzu schnell. Das fängt bei der Flakongröße an und endet mit der Preisgestaltung. Selten, dass ein Nischenduft heute weniger als 100 Euro kostet. Auch mit der Individualität ist das so eine Sache. Designer, Societyladies und Beautybusinessmanager auf Sinnsuche fungieren als Ideengeber für neue Marken, wobei die Inspirationen und Geschichten manchmal so banal sind, dass man sie nicht einmal zitieren mag. Distributeure pochen einerseits auf exclusive Präsentation der Marken in edlem Ambiente, haben andererseits aber weder mit Amazon, noch mit Ebay, Discount oder Kette ein Problem und konterkarieren so ihren eigenen Anspruch. Money talks.

Chandler Burr  sagte in einem Vortrag in Florenz, dass neben dem Duft eben auch seine Geschichte und die Verpackung gekauft werde.  Kein Wunder also, dass Marketing auch in der Nischenparfümerie an Bedeutung gewinnt, weil für den kommerziellen Erfolg eines Duftes das gesamte Paket stimmen muss. Ist es also nur folgerichtig, wenn Reißbrettkonzepte mit acht bis zehn Düften ebenso zunehmen, wie Parfümeure, die sich meistbietend engagieren lassen oder wie Superstars von Shoperöffnung zu Shoperöffnung eilen und zwischendurch auch mal einen neuen Duft kreieren?

Marken, die mit Sorgfalt und Überlegung über Jahre aufgebaut und ergänzt werden, sind rar geworden. Aber noch gibt es sie. Und das ist wunderbar. Insofern scheint die wahre Kunst der Parfümerie darin zu bestehen, sich elegant und leichtfüßig auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kommerz, zwischen speziell und bizarr, zwischen Luxus und Chi Chi zu bewegen und mit ebenso langem Atem wie Kapital die Balance zu halten. Das gilt übrigens für Hersteller und Einkäufer gleichermaßen. Die Pitti Fragranze 2013 zeigte zumindest eines deutlich: Da geht noch was. Entweder in die eine oder in die andere Richtung.

 

Serge Lutens: Limited Edition 2013 | Vaporisateur tout noir, c’est tout Palais Royal

“Die Geschichte dieses Vaporisateurs ist längst nicht zuende. Sie geht weiter und sie wird schwärzer” sagt Serge Lutens. Sie wird vor allem spannender und besser, sage ich.

Während im vergangen Jahr mit Ambre Sultan und Feminité du Bois, zwei Klassiker aus der normalen, der sog. Exportrange von Serge Lutens zur Premiere des edlen “Vaporisateur tout noir” den schwarzen Zerstäuber bestückten, sind es 2013 zwei Parfums der exclusiven Palais Royal Reihe: Fourreau Noir und Irish Silver Mist.

 Le Vaporisateur tout noir • Limited Edition 2013 • 2 x 30 ml für 120 Euro • ab Mitte Oktober 2013 

Iris Silver Mist

ist eine Palais Royal Kreation aus dem Jahr 1994 und konzentriert sich auf den puristisch pudrigen Luxus der toskanischen Schwertlilie. Die elegant silbrig schimmernde Anmut  der Iris Pallida wird ergänzt mit trockenem Zederholz, Sandelholz, Nelken, Vetiver und Zistrose. Dazu kommen Ambra, Weihrauch, Moschus und vanilliges Benzoe.

Fourreau Noir

meint Scheide eines Dolches und verschmilzt sich mit einer Kombination aus weich balsamischen Noten mit Tonkabohnen, Lavendel, Moschus und Mandeln sowie rauchigen Noten wie ein schwarz seidenes Futteral mit der Haut.

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